Wie viel Platz braucht ein Lift im Haus?

Viele Hauseigentümer gehen davon aus, dass für einen Lift mehrere Quadratmeter Fläche und ein großer Aufzugsschacht benötigt werden. Bei modernen Hausliften kann der Platzbedarf deutlich geringer sein.

Trotzdem gibt es kein universelles Mindestmaß. Entscheidend sind Liftart, Nutzung und Einbauposition.

Plattform oder Gesamtanlage?

Bei Größenangaben muss zunächst unterschieden werden.

Die Plattform- beziehungsweise Kabinengröße beschreibt den Raum, den der Nutzer tatsächlich zur Verfügung hat.

Die Gesamtabmessung ist größer.

Hinzu kommen beispielsweise:

  • Führungselemente,
  • Antrieb,
  • Schachtkonstruktion,
  • Türen,
  • technische Sicherheitsabstände.

Ein Lift mit einer kleinen Plattform benötigt deshalb nicht automatisch nur genau diese Fläche im Gebäude.

Das ist ein wichtiger Punkt beim Vergleich von Angeboten.

Wie kompakt können Hauslifte sein?

Für gehende Nutzer gibt es sehr kompakte Anlagen.

Wenn lediglich eine Person, Einkäufe oder Gepäck transportiert werden sollen, kann eine relativ kleine Plattform ausreichen.

Soll der Lift dagegen mit einem Rollator oder Rollstuhl genutzt werden, steigt der notwendige Platz.

Die kleinste technisch mögliche Lösung ist deshalb nicht automatisch die sinnvollste.

Wer sein Haus langfristig plant, sollte mögliche zukünftige Anforderungen berücksichtigen.

Platz vor den Lifttüren

Häufig wird bei der Planung nur die Liftgrundfläche betrachtet.

Ebenso wichtig ist jedoch der Bereich vor dem Lift.

Die Tür muss sich öffnen können und der Nutzer muss bequem ein- und aussteigen können.

Für einen gehenden Nutzer reicht dafür weniger Raum als für einen Rollstuhl.

Bei einem Rollstuhl müssen zusätzlich Richtungswechsel und möglicherweise eine Drehbewegung berücksichtigt werden.

Ein Grundriss kann daher genug Platz für den Lift selbst bieten und trotzdem an der Zugangssituation scheitern.

Zugang auf einer Seite oder Durchlader?

Ein Lift kann unterschiedliche Türanordnungen haben.

Zugang auf einer Seite

Der Nutzer fährt beziehungsweise geht auf derselben Seite hinein und wieder hinaus.

Bei Rollstuhlnutzung kann dies bedeuten, dass rückwärts gefahren oder im Lift gewendet werden muss.

Durchlader

Bei einem Durchlader befinden sich Türen auf gegenüberliegenden Seiten.

Der Nutzer fährt vorne hinein und auf der anderen Seite wieder heraus.

Das kann insbesondere für Rollstühle, Rollatoren oder den Transport größerer Gegenstände komfortabler sein.

Allerdings müssen dann auf beiden Seiten geeignete Zugangsflächen vorhanden sein.

Lift im Treppenauge

Ein vorhandenes Treppenauge ist für die Nachrüstung besonders interessant.

Der Bereich zwischen den Treppenläufen ist häufig ohnehin ungenutzt und verläuft bereits vertikal durch mehrere Etagen.

Ist er groß genug, kann dort ein Lift eingebaut werden, ohne neue Räume zu beanspruchen.

Vorher muss allerdings geprüft werden, ob nach dem Einbau noch ausreichend Platz für die Treppe bleibt.

Lift durch die Decke

Wenn kein geeignetes Treppenauge vorhanden ist, kann eine separate Position gewählt werden.

Der Lift wird dann durch einen neu geschaffenen Deckenausschnitt geführt.

Dafür kommen beispielsweise Flure, Abstellräume oder Bereiche zwischen Wohn- und Nebenräumen infrage.

Die Position sollte so gewählt werden, dass auf allen Ebenen sinnvolle Zugänge entstehen.

Braucht ein Lift einen eigenen Schacht?

Das hängt von der Bauart ab.

Viele vertikale Plattformlifte besitzen einen modular aufgebauten Schacht, der gemeinsam mit der Anlage montiert wird.

Kabinenlifte können je nach System ebenfalls mit einem vorgefertigten Schacht geliefert oder in einen bauseitig errichteten Schacht eingebaut werden.

Daneben gibt es bodendurchgehende Lifte für zwei Ebenen, die ohne einen klassischen durchgehenden Schacht arbeiten.

Deshalb sollte beim Begriff „schachtloser Lift“ immer genau geprüft werden, was technisch gemeint ist.

Wie viel Platz braucht ein Rollstuhllift?

Rollstuhlnutzung stellt höhere Anforderungen.

Neben einer ausreichend großen Plattform oder Kabine spielen insbesondere folgende Faktoren eine Rolle:

  • Rollstuhlgröße,
  • mögliche Begleitperson,
  • lichte Türbreite,
  • Zugang gerade oder über Eck,
  • Bewegungsfläche vor dem Lift,
  • Bedienbarkeit der Taster.

Bei einem Elektrorollstuhl kann zusätzlich mehr Fläche erforderlich sein als bei einem kompakten manuellen Rollstuhl.

Daher sollte die Liftgröße nicht allein anhand eines allgemeinen Internetmaßes ausgewählt werden.

Die konkrete Nutzung ist entscheidend.

Für die barrierefreie Planung von Wohnungen und Gebäuden mit Wohnungen ist in Deutschland insbesondere die DIN 18040-2 relevant. Sie betrachtet Barrierefreiheit als Zusammenspiel von Gebäude, Bewegungsflächen und Nutzung – nicht nur als Eigenschaft eines einzelnen technischen Produkts.

Grube und obere Bauhöhe

Platzbedarf betrifft nicht nur die Grundfläche.

Auch unter und über dem Lift wird Raum benötigt.

Klassische Aufzüge besitzen häufig eine tiefere Grube unter der untersten Haltestelle und benötigen im oberen Bereich ausreichend Platz für technische Komponenten.

Kompakte Hauslifte können mit deutlich geringeren Dimensionen auskommen.

Je nach Modell kann eine sehr kleine Grube genügen. Teilweise sind Lösungen ohne Bodenabsenkung möglich.

Auch die obere Bauhöhe kann vergleichsweise gering sein.

Gerade bei der Nachrüstung in einem bestehenden Einfamilienhaus kann das entscheidend sein.

Außenlift als Alternative bei Platzmangel

Ist innerhalb des Gebäudes kein geeigneter Platz vorhanden, sollte geprüft werden, ob die Außenfassade genutzt werden kann.

Damit bleiben vorhandene Wohnräume weitgehend unangetastet.

Dafür muss allerdings auf jeder erschlossenen Etage ein geeigneter Zugang zum Gebäude geschaffen werden.

Außerdem benötigt ein Außenlift eine geeignete Aufstellfläche beziehungsweise Gründung.

Platz für heute oder für die Zukunft planen?

Wer einen Lift ausschließlich als Komfortlösung einbaut, könnte versucht sein, die kleinste mögliche Größe zu wählen.

Langfristig kann es sinnvoller sein, etwas Reserve einzuplanen.

Soll der Lift später eventuell auch mit Rollator oder Rollstuhl genutzt werden, lässt sich eine zu kleine Anlage nicht ohne Weiteres vergrößern.

Die Mehrfläche einer etwas größeren Lösung kann deshalb langfristig wertvoller sein als die maximale Platzeinsparung beim Einbau.

So lässt sich ein geeigneter Standort finden

Für eine erste Prüfung des Hauses kann man die möglichen Einbauorte systematisch durchgehen:

Treppenauge, Flur, Abstellraum, Bereich neben der Treppe, Deckendurchbruch oder Außenfassade.

Danach sollte auf jeder Ebene geprüft werden, wo die Lifttür liegen würde und wie der Weg von dort zu den wichtigsten Räumen verläuft.

Erst wenn diese Punkte zusammenpassen, sollte die technische Liftgröße festgelegt werden.

Fazit

Ein Lift im Haus braucht weniger Platz, als viele Eigentümer zunächst vermuten. Wie viel Fläche tatsächlich erforderlich ist, hängt aber stark von Nutzung und Liftart ab.

Die reine Plattformgröße ist dabei nur ein Teil der Planung. Schacht, Türen und Bewegungsflächen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Besonders bei einer geplanten Rollstuhlnutzung ist deshalb ein etwas großzügigeres Raumkonzept häufig sinnvoller als die kleinstmögliche Anlage.